Handout anlässlich des 1. Schulskikongresses in Dortmund am 3. Dezember 2011

1. Grundsätzliche Überlegungen

Im Rahmen der Durchführung von Schulsnowboardkursen fiel in den letzten Jahren immer wieder auf, dass Schüler, die schon über Vorerfahrungen auf dem immer populärer gewordenen Sportgerät „Waveboard“ verfügten, sehr schnell das Snowboardfahren erlernten, da sie auf motorische Vorerfahrungen, die sie mit diesem Gerät gemacht hatten, zurückgreifen konnten.

Aus diesem Grunde trat schnell die Überlegung auf, wie dieses zur Vorbereitung von Snowboardkursen nutzbar zu machen sei. Zwar wird die Antriebskraft beim Waveboarden durch die für das Snowboardfahren untypische Bewegung der Füße gegeneinander erreicht, trotzdem können a) wichtige körperliche Fähigkeiten im Bereich Motorik, Balance und Koordination ebenso geschult werden, wie b) grundlegende „Tools“ zum Erlernen des Snowboardfahrens geschult werden.

Durch die spezielle Anordnung der Rollen entsteht ein ähnliches Gefühl wie beim Surfen und Snowboarden. Beschleunigt und gesteuert wird durch geschicktes Verlagern des Schwerpunktes unter Einsatz des ganzen Körpers.

2. Nutzung motorischer Vorerfahrungen zum Erlernen des Snowboardfahrens

Konkret bedeutet das:
1. Eine Gewichtsverlagerung auf das vordere Bein fällt leichter, da die Gewichtsverteilung auf dem Waveboard mindestens auf beide Beine – und eben nicht auf das hintere Bein (häufiger Anfängerfehler beim Snowboardfahren) – erfolgen muss. Selbstredend ist es günstiger (im Rahmen einer hinführenden Methodik aber auf jeden Fall möglich) beim Waveboardfahren das Gewicht auf das vordere Bein zu bringen, erfahrungsgemäß gelingt dies aber nicht allen Schülern sofort.
2. Eine Steuerung in Kurven über eine Oberkörper-vorausdrehung, die vor allem beim Durchfahren von Slalomkursen auch dem Waveboardanfänger Vorteile bringen kann. Im Übrigen gilt auch hier, dass dieses zumindest sehr gut simulierbar ist – im Gegensatz zur Schuklung auf einem Skateboard, das stärker über eine „Kantensteuerung“ gefahren werden muss.
3. Um kleine Kurvenradien oder schnelle Kurvenwechsel im Sinne eines „Slalomfahrens“ bewältigen zu können, greifen viele Fahrer intuitiv auf ein Absenken des Körperschwer-punktes und zusätzlich auf eine ausgeprägte Kurven-innenlage des gesamten Körpers zurück, was beides ebenso für eine entsprechende Beherrschung des Snowboards benötigt wird, ersteres z. B. auch im Rahmen einer ersten Bewältigung schwierigerer Hangabschnitte.

3. Methodische Überlegungen

Grundsätzlich eignen sich wohl folgende 4 Tools, die im Anfänger-Snowboardunterricht eine wesentliche Rolle spielen, für eine Schaffung motorischer Vorerfahrungen auf dem Waveboard:

a) Gewichtsverlagerung auf das vordere Bein um eine grundsätzliche Steuerbarkeit zu erreichen.
b) Oberkörpervorausdrehung zur Kurvensteuerung.
c) Hoch-Tief-Bewegung (Tiefentlastung) als eine Möglichkeit der Unterstützung der Kurvensteuerung (eine Hochentlastung funktioniert nur sehr eingeschränkt, da man auf dem Waveboard keine feste Verbindung zu den Füßen vorfindet).
d) „Umkanten“ durch Gewichtsverlagerung in das Kurveninnere und bewusstes „Kantendrücken“ ebenfalls zur Unterstützung des Kurvenfahrens.

Zusätzlich muss natürlich berücksichtigt werden über welche Vorerfahrungen mit dem Waveboard einzelne Schülergruppen verfügen.

Grundsätzlich kristallisieren sich im Augenblick 2 Gruppen heraus:
1. Ältere Schüler ohne jegliche Vorerfahrungen.
2. Jüngere Schüler mit teilweise differenzierten Vorerfahrungen in einem relativ hohen Prozentsatz im Verbund mit solchen, die ebenfalls keine Vorerfahrungen besitzen. Insgesamt kann man beides gut kombinieren, indem die Schüler mit Vorerfahrungen diejenigen ohne Vorerfahrungen anleiten. Hierbei hat sich eine „1-zu-1-Betreuung“ (mit und ohne Gerätehilfe (s. Fotos) als hilfreich und auch für die Schüler sehr motivierend erwiesen, vor allem, wenn jüngere Schüler unterer Jahrgänge älteren Schülern, z. B. aus Oberstufen-Jahrgängen, erste Erfahrungen vermitteln können. Basis-Voraussetzung für eine sinnvolle Vorbereitungsmöglichkeit des Snowboardfahrens über das Waveboard-Fahren ist, dass die Schüler zumindest in der Lage sind ihr Gleichgewicht nach Fremdbeschleunigung in Geradeausfahrt zu halten. Dieses kann man durch Anschieben von hinten oder aber über einen vorgehaltenen und entsprechend zur Beschleunigung benutzten Stab erreichen.

Wenn das Gleichgewichtsgefühl so weit ausgeprägt erscheint, dass die Schüler in der Lage sind – nach Fremd- oder Eigenbeschleunigung – das Waveboard10-15m geradeaus zu steuern, kann man mit der Schulung der für das Snowboardfahren benötigten Tools beginnen. Hierbei hat sich – nach dem methodischen Prinzip „Vom Einfachen/wenig Komplexen zum Schwierigen/Komplexen folgende Reihenfolge bewährt:

1. Oberkörpervorausdrehung

Hierzu kann man die Schüler zu Beginn ausgeprägte Rechts- oder Linkskurven um z. B. Pylonen fahren lassen, gefolgt von einem anschließenden „Slalomfahren“ um mehrere solcher Hindernisse. Ausgeprägte Oberkörperbewegungen kann man durch versetztes Stellen der Pylonen (Notwendigkeit ausgeprägter Kurvenradien) erreichen.

2. Gewichtsverlagerung in das Kurveninnere und „Kanten“

Dieses Tool kann man z. B. durch das methodische „Prinzip der zwingenden Situation“ erreichen, indem – innerhalb einer Bewegungsaufgabe – man durch das Stellen entsprechender Hindernisse/Orientierungspunkte (z. B. Pylonen) ein Fahren in engen Radien oder – durch eine höhere Vorbeschleunigung – mit einer höheren Kurvengeschwindigkeit erzwingt (Fahren von Links-/Rechtskurven/Slalomfahren /Achtfahren (evtl. mit Zwischenbeschleunigung)). Eine methodische Hilfe, die auch für das Snowboardfahren wichtig ist, kann hier in Form einer Bewegungsanweisung mit dem Ziel mittels der Zehen (Frontside) oder der Ferse (Backside) Druck auf die beiden Waveboardplattformen auszuüben, bestehen, auch, wenn die eigentliche Waveboardtechnik für das Fahren enger Kurven hier eine gegenläufige Belastung (möglichst extremes Verdrehen beider Plattformen gegeneinander) verlangt.

3. Hoch-Tief-Bewegung

Eine Hoch-/Tiefbewegung lässt sich zuerst in der Geradeausfahrt schulen, anschließend wiederum in entsprechenden Kurvenfahrten (s.o.), wobei sich hierzu eine Bewegungsanweisung in entsprechender Form (z. B. „Versucht kurz vor der Kurve tief herunter zu gehen und euch direkt nach der Kurve wieder aufzurichten“) als hilfreich erwiesen hat. Um eine erste Bewegungserfahrung – mit der besseren Möglichkeit der Umsetzung – zu erreichen kann man die Schüler vorweg üben lassen (in einer Linkskurve, also auf der späteren „Backside“) sich innerhalb einer Linkskurve auf eine Pylone zu „setzen“, diese also kurz mit dem Gesäß zu berühren.

4. Gewichtsverlagerung auf das vordere Bein

Dieses Tool ist für Waveboard-Anfänger das Schwierigste (obwohl vielen Waveboard-Anfängern zu Beginn empfohlen wird darauf zu achten, dass sie ihre Belastung auf dem vorderen, dem sogenannten „Führbein“ haben sollen) und steht aus diesem Grunde auch an letzter Stelle, denn es erfordert schon ein ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl des Fahrers in Verbindung mit dem Gerät. Übungen hierzu lassen sich methodisch wieder an bereits Bekanntes anbinden, z. B. über Geradeausfahrten als einfache und anschließende Kurvenfahrten als die schwierigeren Varianten.

Insgesamt sollte man darauf achten, dass bei jedem weiteren methodischen Schritt die vorher erreichten Fähigkeiten in die Schulung eingebunden werden, dann besteht eine realistische Chance, dass die Schüler ihre Bewegungen auch auf dem Snowboard so steuern können, dass ihnen ein Erlernen des Snowboardfahrens erleichtert wird.

von Burkhard Schütte