Seit 1998 trägt die KKG den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SoR-SmC)

 

„Die jüngere Generation ist
nicht verantwortlich
für die deutsche Vergangenheit
aber dafür,
was sie aus ihr macht.“

Elie Wiesel

 

Regeln für unsere „Schule ohne Rassismus“

Wir SchülerInnen, LehrerInnen und MitarbeiterInnen dieser Schule sagen NEIN zu Rassismus.

Weil alle Menschen gleichwertig sind, sollen sie auch gleiche Entwicklungschancen haben. Die Diskriminierung von Menschen wegen ihres Glaubens, des Geschlechts und der sexuellen Orientierung, der Hautfarbe und Herkunft, der Behinderung, der Schulart, der Nationalität oder was auch immer, lehnen wir ab. Rassismus legitimiert Gewalt, hetzt Menschen aufeinander und schafft Hass und Feindschaft. Die Achtung der Menschenwürde beginnt damit, die Kulturen anderer Menschen ebenso wie die eigene Kultur zu erkennen, zu achten und zu respektieren.

Wir verpflichten uns, alle Formen und Äußerungen rassistischer und diskriminierender Art zu vermeiden und zu verhindern.

Unsere Schule soll, ihrem demokratischen Auftrag entsprechend, aktiv allen rassistischen Bemerkungen, Aussagen, Argumenten, Vorurteilen und Handlungen entgegentreten. Weil Vorurteile leicht für wahr gehalten werden, oder durch Wiederholung als wahr erscheinen, werden wir uns mit ihren Ursachen und Wirkungen auseinandersetzen.

Rassismus entwickelt sich oft dort, wo Menschen in ihren Gefühlen blockiert und kaum noch erreicht werden können; Argumente sind hier oft hilflos. Die Herstellung von vertrauten Beziehungen und sozialer Gerechtigkeit verhindert Hass. Die aktive Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen ist Teil einer „Schule ohne Rassismus“.

Wir werden Feste, Begegnungen und Veranstaltungen organisieren, um andere Kulturen und Menschen in unsere Schule miteinzubeziehen. Rassismus und Gewalt sollen mit den je eigenen Möglichkeiten in jedem Unterrichtsfach thematisiert werden.

Entstehung des Projektes SoR-SmC

Entstanden ist das Projekt 1988 in Belgien, als sich SchülerInnen und JugendarbeiterInnen in Antwerpen zusammensetzten, um zu überlegen, wie dem Rassismus das Wasser abgegraben werden kann. Sie suchten nach einer Idee, mit der viele Gruppen und Initiativen ihre Energien bündeln können, um die Wirkung von Antirassismusarbeit über größere Regionen auszuweiten. Ihr Projekt „Schule ohne Rassismus“ hat sich heute zu einer Bewegung entwickelt, die öffentlichkeitswirksam und erfolgreich in Belgien und in den Niederlanden (Europa-Koordination) wirkt und nun als Pilotprojekt der europäischen Jugendkampagne „all different – all equal“ in Deutschland, Frankreich und England gestartet ist.

Wichtig: Das Projekt „Schule ohne Rassismus“ ist eine Jugendinitiative. Alle Erfahrungen haben gezeigt, dass erfolgreiche (Rassismus- und Gewalt-)Initiativen ihre Dynamnik aus der Auseinandersetzung (z.B. unter Jugendlichen) gewinnen. Von daher entwickelt dieses Projekt seinen Erfolg aus der Initiative von unten und bezieht zu gegebener Zeit die Profession und Fachlichkeit z.B. von Lehrern u.a. mit ein.

Ablauf des Projektes an der KKG

Im Herbst 1995 begann in der Schülervertretung (SV) eine heftige Diskussion, ob sich unsere Schule der europäischen Jugendkampagne „all different – all equal“ anschließen solle. Am 6. Februar 1996 wurde schließlich in der SV-Versammlung einstimmig beschlossen, diese Aktion zu starten.

Um eine „Schule ohne Rassismus“ zu werden, mussten die vorliegenden Regeln für eine „Schule ohne Rassismus“ diskutiert und von 70% aller SchülerInnen, LehrerInnen und MitarbeiterInnen unserer einer Schule durch Eintragung in einer Unterschrifteniiste bestätigt werden.

Nun begann für die Initiatoren eine Phase intensiver Arbeit, denn über eintausend Mitglieder unserer Schulgemeinschaft mussten über die Inhalte des Projektes informiert und zur Teilnahme an der geforderten Unterschriftenaktion bewegt werden.
Eine umfangreiche Information erschien den Initiatoren sehr wichtig, denn jeder/jede sollte wissen, wofür er/sie sich mit seiner/ihrer Unterschrift engagierte und verpflichtete.

Die Gruppe informierte die Lehrerkonferenz und die Schulkonferenz und erhielt „grünes Licht“ für die Aktion. Danach wurden die SchülerInnen der Jahrgänge 8-10 in Schülerversammlungen informiert, die Jahrgänge 5-7 in ihren Klassen. Ferner wurden Gespräche mit den Sekretärinnen, dem Hausmeister, dem Fahrradwächter, dem Reinigungs-, Turnhallen- und Mensapersonal geführt. Dieser Informationsprozess wurde von SchülerInnen unterstützt, die im Kunstunterricht Plakate entwarfen und im Gebäude aushängten. Zusätzlich verteilten die Initiatoren an die Klassen Flugblätter, die das Wichtigste des Vorhabens enthielten.

Am 5. Juni 1996 startete die Unterschriftenaktion, zu der mit einem weiteren Rundlauf am 12. Juni noch ein letztes Mal aufgerufen wurde. An vier Stellen im Gebäude standen Wahlkabinen bereit. Die Initiatoren verzichteten bewusst auf eine Unterschriftensammlung in den Klassen, weil sie jeden Gruppenzwang vermeiden und für ein demokratisches Ziel auch einen wirklich demokratischen Weg wählen wollten. Mtglieder der Schulgemeinschaft, die sich ihrer Sache noch nicht sicher waren, hatten während der Unterschriftenaktion die Möglichkeit, erneut Fragen an die Mitglieder der Initiativgruppe, die sich in den Spielpausen bereithielten, zu stellen.

Nach gut einer Woche wurde die 70%-Hürde übersprungen! Nicht ohne Stolz überreichte die Initiativgruppe am Schuljahresende die Unterschriften an Herrn Reiser, RAA Kreis Unna, mit der Bitte, diese Listen an die Bundesorganisation „Aktion COURAGE-SOS-Rassismus“ weiterzuleiten.

In den folgenden Schuljahren wurde der „Rassismus“ in den verschiedensten Schulfächern thematisiert und eine ganze Reihe von Projekten, Arbeiten und Veranstaltungsformen installiert.
Nachdem diese Aktivitäten und Projekte Platz gegriffen hatten, konnte unserer Schule der offizielle Titel „Schule ohne Rassismus“ in Form eines gleichnamigen Schildes am Eingang der Schule verliehen werden. Die Suche nach einer Patin bzw. einem Paten, der unserer Schule die Auszeichnung überreichen sollte, gestaltete sich schwieriger als erwartet. Durch beharrliches Drängen konnte zur allgemeinen Freude schließlich doch Herbert Grönemeyer als Pate gewonnen werden.

AKTUELLES

Der Lüner Filmemacher Michael Kupczyk kommt am 9. November 2018 – dem Tag, an dem sich zum 80. Mal der Beginn des Pogroms gegen die Juden in Deutschland jährt – an die KKG, um mit den SchülerInnen des 10. Jahrgangs über seinen Film „Die Kinder der Turnstunde – Die Geschichte der Juden in Lünen“ zu sprechen.

Bereits am Montag, den 5.11., werden die SchülerInnen gemeinsam mit ihren GL-LehrerInnen den Film in seiner kompletten Länge ansehen und mithilfe von Arbeitsmaterial aus dem Begleitheft der Film-DVD aufarbeiten.
Am Besuchstag des Filmemachers wird dieser zunächst eine Kurzversion seines Filmes zeigen, um in der anschließenden Gesprächsrunde für Fragen über seinen Film zur Verfügung zu stehen.

Am 25. September 2018 hat sich an der KKG nach Jahren wieder ein fester Arbeitskreis gebildet (AK SoR).

Wir möchten dadurch unsere vielfältigen Aktivitäten gegen Rassismus und für Zivilcourage an der Schule und in der Gesellschaft auf eine geordnete und übersichtliche Basis stellen.

Nicht zuletzt aber drängen uns die aktuellen gesellschaftspolitischen Tendenzen, die die scheinbar einfachen, autokratischen Lösungen für komplizierte internationale Entwicklungen propagieren, dazu, unsere Anstrengungen zur Stärkung der demokratischen Grundwerte im Schulleben und im Unterricht in den Vordergrund zu rücken und sie in gebündelter Weise sichtbar zu machen.

Der AK SoR, dem zur Zeit Herr Krieger, Herr Gundelach, Herr Borchert und der Abiturient Alexander Volzhenin angehören, hat sich bei seinem ersten Treffen einen Überblick über die aktuellen bzw. noch nicht weit zurückliegenden Aktivitäten als Schule ohne Rassismus verschafft:

  • Regelmäßige Deeskalationstrainings in den 5. und 8. Jahrgängen (Soziales Lernen und Patenschulung)
  • Podiumsdiskussionen vor Kommunal- und Landtagswahlen mit Kandidaten der größeren Parteien
  • 90 Minuten gegen Rechts (Argumentationstraining gegen rechte Parolen)
  • Autorenlesungen (Viktor Sons, Sascha Bisley)
  • Projekttag SoR-SmC 2015
  • Fahrt zur Gedenkstätte Buchenwald – Jg. 10+11 (2018/19)

Der AK SoR macht sich über eine Bestandsaufnahme hinaus auch über zukünftige SoR-Projekte an der KKG Gedanken. Dazu wird in Kooperation mit den SV-LehrerInnen und der SV u.a. eine Verstärkung der Schülerbeteiligung an der Gestaltung des Schullebens gehören.

Weitere Planungen sind im AK ausgesprochen worden, müssen aber noch ihren Weg durch die Schulgremien gehen, bevor sie öffentlich gemacht werden.

Der AK SoR trifft sich bereits wieder am Vormittag des 12. Oktober – eine rege(re) Beteiligung aus den Reihen der SV ist sehr erwünscht. Gerne darf dazu Herr Krieger als Koordinator des AK angesprochen werden!

Courage-Organigramm

www.schule-ohne-rassismus.org